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Klaus – meine Geschichte

Das Bild zeigt ein Portrait eines nicht erkennbaren Mannes im Schatten mit schwarzer Jacke. Der Storyteller möchte nicht erkannt werden. Foto von mohamed abdelghaffar von Pexels
Das Bild zeigt ein Portrait eines nicht erkennbaren Mannes im Schatten mit schwarzer Jacke. Der Storyteller möchte nicht erkannt werden. Foto von mohamed abdelghaffar von Pexels

Heute berichtet Klaus, der trotz seines Handicaps positiv durchs Leben geht. Ganz getreu dem Motto: „Jetzt erst recht!“ macht er  das Bestmögliche aus seinem Leben. Mit herzlicher Einladung zum kurzweiligen selber lesen:

Und plötzlich war es dunkel

Konzentration und Nachdenken ist wie eine Meditation, um ein Projekt zu vervollständigen. Klaus ist passionierter Hobby-Schreiner und seit 2005 an LHON erblindet.

Er hatte sich danach nicht zu Hause hingesetzt und gewartet, bis sich etwas ändert. Nein, er hatte sich mit der Situation auseinandergesetzt und sein neues Leben in die Hand genommen. So kann er z.B. mit einer Format Kreissäge Bretter zuschneiden. Zum Abmessen hilft ihm sein sprechendes Maßband. Auch für andere Menschen ist er immer hilfsbereit. So ist er kürzlich 10 Stunden im Zug in den Norden gereist, um auf Wunsch einem erst jetzt an LHON erblindeten älteren Mann zu helfen, wie er am besten in seinem Alltag zurechtkommt.

Seinen Humor hat er zum Glück nicht verloren. Als Klaus im Zug nach seiner Fahrkarte gefragt wurde, sagte er, er sei ein blinder Passagier. Der Zugbegleiter verstand nicht sofort und ihm war es dann unendlich peinlich, dass er nicht gleich den Blindenstock gesehen hatte. Er ist eben einfach ein „loser Vogel“, wie er selbst von sich sagt. Er hat immer lockere Sprüche auf den Lippen. Für Fremde mag das manchmal etwas ungewohnt sein, aber bei den Leuten, die er kennt, weiß er, was er sagen kann.

Die Natur liebt er auch. So hatte er kürzlich die Möglichkeit, nach langer Zeit auf einem Tandem zu sitzen und strampelte sich ab. Das war toll und machte viel Spaß aber es war natürlich wieder ungewohnt. Am liebsten würde er auch Ski fahren. Aber er konnte noch keinen Skilehrer finden, dem das nicht „zuheikel“ wäre. Auto oder Motorrad fahren, davon träumt er immer noch und schwelgt in Erinnerungen.

Dann organisiert er monatlich den regionalen Blinden und Sehbehinderten Stammtisch und steht den Teilnehmern auch außerhalb dieses Treffens immer für Fragen zur Verfügung.

Es sagte einmal jemand zu Klaus, er hätte ein Navi in sich drin. Denn er hat die bekannten Straßen immer noch bildlich vor sich. Er ist dann immer ganz in seinem Element und sagt zum Fahrer, da vorne geht es rechts, dann macht die Straße eine Linkskurve. Links kommt ein Schild mit einer Katze drauf, rechts stehen 2 Häuser. Meistens stimmt das alles, wenn nicht gerade eine bauliche Veränderung vorgenommen wurde.

Klaus läuft mit einem normalen Langstock.

Es gibt aber auch einen LaserLangstock. Dieser erleichtert Blinden nochmals mehr den Alltag. So meldet der Signalgeber Hindernisse wie Äste oder Schilder im Kopf und Oberkörperbereich. Im unteren Teil des Griffs befindet sich der Sender und Empfänger des Lasers. Dieser Stock wurde sogar schon bei einem Wettbewerb ausgezeichnet.

Diese kurzweilige Geschichte von Klaus soll Mut machen, sich nicht aufzugeben. Denken Sie immer daran, Sie sind nicht alleine!

Klaus jedenfalls ist stets für seine Leute da und steht mit dem Motto auf: Jetzt erst Recht!

Der Name vom Betroffenen wurde geändert.

Klaus, 29. September 2021

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