LHON – Krankheitsbeschreibung
Definition
Die Lebersche Hereditäre Optikus Neuropathie (kurz LHON), ist eine seltene, mitochondriale Erkrankung, die durch eine Sehnervstörung zu einer massiven Visusminderung im zentralen Gesichtsfeld führen kann. Dies wird durch eine Mutation im Erbgut verursacht, welche sich im Folgenden auf den Sehnerv und damit auf das Sehvermögen des Betroffenen auswirkt.
Ursache
Bei der LHON werden die retinalen Ganglienzellen welche die hintere Schicht der Netzhaut bilden, durch einen Defekt in den Mitochondrien nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt. Dieser Prozess wird in der Medizin auch als Atrophie bezeichnet, somit kann der Sehnerv die von der Netzhaut übermittelten Informationen nur noch teilweise an das Gehirn weiterleiten.
Die Mitochondrien
Die LHON geht auf Veränderungen in der DNS zurück, also auf bestimmte Mutationen in unseren Zellen. Bei LHON ist jedoch nicht das Erbgut im Zellkern, sondern das Erbgut der Mitochondrien, auch mitochondriale DNS oder auch mtDNS genannt, betroffen. Mitochondrien produzieren ATP und gewährleisten somit den Energiehaushalt der Zelle. Daher kann man sie auch als „Kraftwerke der Zellen“ bezeichnen. Die Mitochondrien sind im ganzen Körper von der Erkrankung betroffen. Die Symptome zeigen sich jedoch vor allem durch die Visusverluste, da der Sehnerv besonders auf die Energieproduktion der Mitochondrien angewiesen ist.
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Prävalenz und Verteilung
In der Forschung geht man von einer Prävalenz von 1:50.000aus. Somit sind in Europa etwa 10-15.000 Menschen an LHON erkrankt. Man schätzt, dass es in Deutschland jährlich rund 80 Neuerkrankungen gibt. Nicht bei alle Trägern einer LHON-Mutation tritt ein Ausbruch mit folgender Seheinschränkung auf: bei Männern ist etwa 1 von 2 betroffen und bei Frauen 1 von 10. Somit sind statistisch gesehen Männer 5-mal häufiger betroffen als Frauen. Dabei tritt LHON typischerweise bei jungen Männern auf.
Mutationen
Zu LHON können verschiedene Mutationen führen. Drei dieser Gendefekte kommen besonders häufig vor und finden sich bei etwa 90% aller Betroffenen. Dabei sind diese Mutationen in der bereits oben beschriebenen mtDNS (hier spricht man auch von den MTND-Genen) zu finden. Folgende 3 Mutationen wurden dabei beschrieben:
◦ MTND1m.3460
◦ MTND4m.11778
◦ MTND6m.14484
Hierbei gilt es zu beachten, dass diese 3 Mutationen wiederrum unterschiedliche Häufigkeiten aufweisen. Der Anteil der einzelnen Mutation gemessen an der Gesamtheit der Mutationen lässt sich folgendermaßen darstellen:
◦ 11778 = 70 %
◦ 3460 = 12 %
◦ 14484 = 10 %
◦ andere Mutationen = 8 %
Somit sind über 90 % aller LHON Erkrankungen auf die oben beschriebenen Mutationen zurückzuführen. Jedoch fällt auf, dass es einen kleinen Anteil gibt, der nicht mit diesen Mutationen erklärt werden kann. Bei diesen Patienten wird der übliche Test auf LHON zwar nicht anschlagen, eine LHON-Erkrankung kann dadurch jedoch nicht ausgeschlossen werden, da es mittlerweile LHON-Diagnosen gibt, bei denen die Mutation nicht in der mitochondrialen DNS, sondern in der nuklearen DNS, also in der Erbsubstanz des Zellkerns, lokalisiert wurde. Bleibt bei den meisten LHON-Patienten der Sehverlust das einzige Symptom, wurden bei einigen Patienten Herzrhythmusstörungen und neurologische Symptome sowie Gleichgewichtsstörungen beobachtet; diese Verläufe werden als „LHON Plus“ bezeichnet.
Vererbung
Bei entsprechenden Symptomen kann ein Humangenetiker durch einen Gentest in der Regel weiterhelfen, und im Zweifelsfall eine Diagnose stellen. Ein Blick in deinen Stammbaum kann ebenfalls hilfreich sein. Da die Mitochondrien nur über die Eizelle der Mutter transportiert und vererbt werden, bedeutet dies im Umkehrschluss für den Großteil der Betroffenen, dass sie die Krankheit definitiv nicht an ihre Nachkommen weitergeben werden. Da die Wahrscheinlichkeit, dass LHON bei einer Frau ausbricht jedoch vergleichsweise gering ist, findet man nur sehr selten weibliche Personen mit einem entsprechenden Krankheitsbild in seinem Stammbaum.
Weitere Informationen dazu auch unter Diagnostik.
Dieser Fachartikel von Prof. Sadun enthält weitergehende Informationen zum LHON-Krankheitsbild.
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